Reverse Charge Verfahren

Reverse Charge Verfahren
Das Reverse-Charge-Verfahren ist eine spezielle Umsatzsteuerregelung, die dazu beiträgt, Steuermissbrauch und -betrug zu minimieren.

Definition Reverse Charge Verfahren

Nach diesem Sonderfall muss der Empfänger der Dienstleistung, also der Kunde, und nicht der Leistungserbringer die Umsatzsteuer zahlen. Als Ergebnis des Reverse Charge Verfahrens kann der Dienstleister dem Kunden nur den Nettobetrag in Rechnung stellen. Dies führt zu einer Umsatzsteuerschuld für den Buchungskreis des Kunden. Wenn der Empfänger zum Vorsteuerabzug berechtigt ist, kann er den Betrag auch als bereits angefallene Steuer geltend machen.

Die Praxis und Anwendung des Reverse Charge Verfahrens

In der Praxis kann das Reverse Charge Verfahren die Beseitigung der Umsatzsteuer – zumindest für den Lieferanten – vereinfachen und seinen bürokratischen Aufwand reduzieren. Vor allem soll die Regelung gegen Steuermissbrauch und -betrug wirken. Steuerfreie grenzüberschreitende Lieferungen an den Dienstleister werden etwa zur Vermeidung der Umsatzsteuer verwendet.

In vielen Fällen, in denen Lieferungen oder Dienstleistungen von einem Unternehmen mit Sitz im Ausland bezogen werden, gilt die Umkehrung der Steuerschuldnerschaft. Bei Lieferungen und anderen Dienstleistungen zwischen inländischen Unternehmen ist das Verfahren in einigen Fällen ebenfalls obligatorisch. Für alle Fälle des Rückmahnverfahrens gilt: Das Verfahren sollte nur angewendet werden, wenn der Empfänger der Dienstleistung ein Unternehmer oder eine juristische Person ist.

 

Reverse Charge Verfahren in der EU

Das Reverse Charge Verfahren wird in der gesamten Europäischen Union für grenzüberschreitende Transaktionen verwendet. Allerdings gibt es von Land zu Land unterschiedliche Regelungen: Reverse-Charge-Lieferungen oder -Dienstleistungen in einem Land können in einem anderen Land von der Steuer befreit werden. Die meisten Verkäufe zwischen Unternehmen in verschiedenen EU-Mitgliedsländern unterliegen dem Reverse Charge Verfahren und für jede Transaktion gibt es spezifische Regeln, die den unterschiedlichen Vorschriften der beteiligten Länder entsprechen.

Ein Beispiel für Reverse Charge im Subscription Management: Ein Unternehmen mit Sitz in Deutschland verkauft Waren in Form eines Abonnements für 500 Euro/Monat an einen niederländischen Kunden. Aufgrund der Anwendung des Reverse Charge Verfahrens werden die monatlichen Rechnungen an den niederländischen Kunden mit einem Nettobetrag ausgestellt und mit dem Vermerk versehen, dass der Empfänger die Steuer schuldet. Das niederländische Unternehmen zahlt die Mehrwertsteuer nun direkt an die niederländischen Steuerbehörden. Im letzten Schritt wird die niederländische Mehrwertsteuer als Vorsteuer abgezogen.

 

Deutschland und die Drittländer

Vertragspartner mit Sitz im Ausland ist jeder, der als Unternehmer keinen Wohnsitz, Hauptsitz, Verwaltung oder eine Betriebsstätte in Deutschland hat. Selbst wenn ein Unternehmer eine Betriebsstätte in Deutschland hat, gilt diese nur in Abhängigkeit vom spezifischen Umsatz dieser Betriebsstätte als fest in Deutschland verankert. Dieser Punkt muss von Fall zu Fall geprüft werden und ist möglicherweise zunächst nicht eindeutig genug.
In Deutschland wird das Verfahren beispielsweise bei der Lieferung von Arbeiten zur Herstellung, Reparatur und Instandhaltung oder Änderung sowie der Beseitigung von Gebäuden eingesetzt. Darüber hinaus ist das Verfahren für die Lieferung von Arbeiten an ein im Ausland ansässiges Unternehmen vorgesehen, wenn die Lieferungen in Deutschland steuerpflichtig sind. Das Verfahren gilt auch für Lieferungen von ausgewiesenen Sicherheitsobjekten, Grundstücken, Metallen wie Gold oder Gas und Strom von einem im Ausland ansässigen Unternehmen. Dabei ist es unerheblich, ob der Vertragspartner ein in einem EU-Land oder in einem Drittland außerhalb der EU ansässiger Unternehmer ist. Die Regelung zur Umkehrung von Steuerverbindlichkeiten unterscheidet nicht entsprechend, sondern gilt gleichermaßen, wenn die Voraussetzungen erfüllt sind.

 

Fazit: Beschleuniges Steuerverfahren

Der Dienstleister spart jede Menge Arbeit in Steuerfachfragen, da er Geschäftsvorgänge nicht an die Steuerbehörden melden muss. Der Kunde muss sich daher nicht mit der Steuerverwaltung des jeweiligen Landes, über das er das Verfahren durchführt, in Verbindung setzen. Das spart natürlich viel Zeit. Aus der Sicht der Steuerverwaltung hat das Verfahren außerdem den Vorteil, dass Steueransprüche im Ausland nicht mehr geltend gemacht werden müssen.

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